Neues aus dem Markt

10.08.2026 - Zubau im Juli: Bisher ohne Vorzugseffekt

 
 

Der Photovoltaik- und Speicherzubau in Deutschland bleibt auch im Juli 2026 konstant auf dem Niveau der Vormonate. Die erwarteten Einschnitte in der Förderkulisse und zukünftig unsichere Investitionsbedingungen als Folge der jetzt angestoßenen EEG-Novelle dürften allerdings für einen Vorzieheffekt bis zum Jahresende sorgen. Viele PV-Interessierte werden versuchen, ihre Projekte noch vor dem Inkrafttreten des Reformpakets zu realisieren, um sich die bisherigen Förderbedingungen zu sichern. Dadurch ist eine starke Jahresendrallye zu erwarten, die auf bereits heute spürbare Materialengpässe trifft.

 

PV- und Speicherzubau auf Vormonatsniveau

Konstanter und einheitlicher geht es kaum: In den letzten 12 Monaten lag die neu installierte Leistung in den Anlagensegmenten bis 750 kWp jeweils bei ca. 600 MWp (aus dem Rahmen fällt der Februar 2026). Auch der Juli 2026 bildet keine Ausnahme: Mit knapp 595,6 MWp ordnet sich dieser vorerst zwar etwa 2 % unter dem Vormonat ein, aber mit den üblichen Nachmeldungen ist zu erwarten, dass fast alle Segmente final über dem Juni 2026 liegen werden. Insgesamt wurden neue PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 1,53 GWp im Marktstammdatenregister angemeldet (Stand: 10.08.2026).

PV-Meldezahlen nach Monaten (Juli 2025 - 2026)

 

Auswertung PV-Zubau Juli 2026

Besonders deutlich wird die Bedeutung von Nachmeldungen am Beispiel des Mais 2026. Auch nach Ablauf der regulären Meldefrist (d. h. vier Wochen nach Inbetriebnahme) wurde das Monatsergebnis nochmals deutlich nach oben korrigiert und liegt nun bei 1,52 GWp, ein Plus von rund 200 MWp.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Speicherzubau. Getragen von einer stetigen Nachfrage bei den Nachrüstungen (wir berichteten), liegen die Neuregistrierungen im Mittel ca. 5 % unter dem Vormonat. Aber auch in diesem Fall ist davon auszugehen, dass die endgültigen Werte nochmals leicht höher ausfallen werden. Insgesamt wurden bis zum Stichtag Speichersysteme mit einer Kapazität von 994 MWh bei der Bundesnetzagentur angemeldet.

Installierte Speicherkapazität nach Größenklassen (Juli 2025 - 2026)

 

Auswertung Speicher-Zubau Juli 2026

 

 

 

Ende der Einspeisevergütung in Sicht

Mit dem Kabinettsbeschluss zur EEG-Novelle hat die Bundesregierung die Rahmenbedingungen für neue Photovoltaikanlagen ab 2027 konkretisiert. Zwar muss der Gesetzesentwurf noch das parlamentarische Verfahren durchlaufen – Anpassungen sind dabei wahrscheinlich – die Richtung ist jedoch vorgegeben: Für neue Dachanlagen soll die garantierte Einspeisevergütung schrittweise durch eine verpflichtende Direktvermarktung ersetzt werden. Mit dem geplanten Redispatch-Vorbehalt müssten neue Stromerzeugungsanlagen in Netzengpassgebieten künftig einen Teil des Abregelungsrisikos tragen und auf einen Teil der Entschädigungszahlungen verzichten. Damit steigt der Anreiz, Projekte noch vor Inkrafttreten der Neuregelungen umzusetzen. Ein deutlicher Vorzieheffekt und eine starke Jahresendrallye bahnen sich an.

„Immerhin haben wir damit Klarheit und können uns als Branche darauf einstellen, auch wenn das nicht einfach wird. Die politische Bevorzugung großer Freiflächenanlagen halte ich jedoch volkswirtschaftlich für sehr fragwürdig.““, erklärt EWS-Geschäftsführer Jan Paul Dahm.

Hintergrund der Kritik ist die zunehmende Verschiebung der Förderinstrumente zugunsten scheinbar günstigerer, großer Freiflächenprojekte. Dachanlagen werden hingegen stärker in Richtung Direktvermarktung und Marktintegration gedrängt.

Die Marktentwicklung der vergangenen Jahre macht eine solche strukturelle Verschiebung bereits deutlich. Betrachtet man die Verteilung des jährlichen PV-Zubaus seit 2022, gewinnen große Freiflächenanlagen kontinuierlich an Bedeutung, während der Zubau dezentraler Aufdachanlagen jedes Jahr weiter zurückgeht.

PV-Zubau nach Anlagensegmenten in Prozent (2023 -2026)



Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich im Speichermarkt. Auch hier steigt der Anteil größerer Projekte am Gesamtzubau über die letzten vier Jahre exponenziell.

Speicher-Zubau nach Anlagensegmenten in Prozent (2023 - 2026)

 

Relevanz einer guten Anlagenauslegung steigt

Vor dem Hintergrund der geplanten Änderungen im EEG und der stärkeren Ausrichtung auf Direktvermarktung und Eigenverbrauch weisen Finanzexpert/innen darauf hin, dass sich insbesondere eine Inbetriebnahme noch im Jahr 2026 finanziell auszahlen kann, da damit weiterhin der Anspruch auf die bisherige Einspeisevergütung über 20 Jahre gesichert wird. Hieraus darf nicht irrtümlich abgeleitet werden, dass sich die Inbetriebnahme einer privaten Aufdachanlage ab dem kommenden Jahr nicht mehr lohnt. Damit dies auch künftig attraktiv bleibt, muss lediglich der ohnehin bereits gelebte Fokus auf Eigenverbrauch konsequent weitergeführt werden. Somit steigt die Bedeutung einer professionellen Anlagenplanung, während Eigenverbrauchsanteil, Speicherintegration, steuerbare Verbraucher und intelligentes Energiemanagement noch entscheidendere Stellschrauben für die Wirtschaftlichkeit werden.

„Die wegfallende Vergütung von Stromüberschüssen bedeutet nicht, dass Anlagen kleiner werden müssen, sondern dass die sinnvolle Eigennutzung und Integration der Anlage ins Heimenergienetz bereits bei der Planung berücksichtigt werden müssen“, erläutert Jan Paul Dahm und ergänzt: „Die neu eingebrachte "Schonfrist" von drei Jahren ist eine trügerische Verbesserung der EEG-Novelle und darf von der Industrie nicht ausgesessen werden. Ab sofort sollte jede private PV-Anlage als Teil des Heimenergiesystems geplant und für die Teilnahme am Energiemarkt vorbereitet sein, zumindest technisch.“

Mit der geplanten Übergangsfrist von bis zu drei Jahren für neue Dachanlagen ab 2027 soll der Markt Zeit erhalten, geeignete Direktvermarktungsstrukturen aufzubauen.

Laut Dahm wäre eine übermäßige Konzentration der Nachfrage auf die letzten Monate dieses Jahres nicht wünschenswert. Sollte ein großer Teil der Interessent/innen die Inbetriebnahme noch vor dem Jahreswechsel anstreben, könnten bestehende Lieferengpässe weiter verschärft werden. Besonders bei leistungsfähigen Speichern und steuerbaren EV-Chargern sind bereits heute verlängerte Lieferzeiten sichtbar.

Weitere Auswertungen zur Entwicklung des Zubaus sowie Details zur Einspeisevergütung finden Interessierte unter dem nachfolgenden Link.

Link: Bundesnetzagentur – EEG-Zubauwerte und Fördersätze